Glossar

Ein Glossar der wichtigsten biodynamischen Begriffe
zusammengesellt von Dipl. Psych. Peter Freudl,
überarbeitet vom Vorstand der GBP e.V. 2011

Alpha-Nursing

Eine von M. L. Boyesen angeregte Methode des Stillens von Babys, die das Phänomen berücksichtigt und unterstützt, dass Säuglinge während des Saugens in tiefe meditative (friedvolle und/oder ekstatische) Zustände kommen, in denen sie gleichsam in ihr kosmisches Zuhause zurückzukehren scheinen.



Aura-Methode

Besondere Gesten und Handlungen (etwa: spiralige Handbewegungen), die an und in der Aura eines Menschen durchgeführt werden. Die Aura wird hier als eine feinstoffliche Energiehülle betrachtet, die aus mehreren Schichten aufgebaut ist und die den Körper umgibt. Die Arbeit auf dieser Ebene erreicht oft die tiefsten organismischen Schichten und kann gewaltige psychoperistaltische Effekte auslösen.



Aura-Schock

Ein starker Schreckreflex, bei dem der Libidofluss durch ein massives, aversives Ereignis unterbrochen wird. Die Energie zieht sich dabei in die organismischen Tiefen zurück und bleibt dort eingekapselt. Diese Spannung blockiert den lustvollen Energiefluss und kann katastrophale Auswirkungen auf die Gesundheit der Persönlichkeit und des Organismus haben.



Ausdehnungsdruck
(Distentionsdruck)

Eine temporäre Ausdehnung des Gewebes, die durch verstärkten Blutkreislauf in den Ausdrucksbereichen des Körpers charakterisiert ist. Typisch ist eine feuchte Hautrötung (häufig im Gesicht sichtbar). Der Ausdehnungsdruck folgt einer Lockerung eines hypertonen Muskels bzw. einem Atemrelease. (Verwandt ist der Begriff des "Schwellungsdrucks", der bei emotionaler Erregung durch Einfließen energetisch geladener Flüssigkeit in das Gewebe entsteht. Sein Ausprägungsgrad entspricht der Stärke der emotionalen Erregung.)



Biorelease-Massagen

Damit sind gemeint: Orgonomiemassage (eine rhythmisch-pulsierende Tonisierung des Körpers), Bauchmassage bzw. Colon-Massage, Massage an den Rückenstreckern, Lifting (Arbeit an den Gelenken); Täler-Hügel-Massage (Arbeit an den "Taschen" des Kopfes") und ähnliche Techniken.



"Blaue" oder absteigende Energie

Sie strömt von oben nach unten zu den Füßen und zur Erde hin. Sie wirkt lösend, reinigend, klärend und wird begleitet von psychoperistaltischer Entladung.



Chemostase

Ein Flüssigkeitsdruck im Gewebe, der entsteht, wenn die Vollendung eines emotionalen Zyklus unmöglich ist. Es handelt sich um das Gesamt der Einlagerungen und Verkapselungen von hormonalen Stoffen, der physiologischen Komponente des Freud'schen Restaffekts (Verwandter Begriff: Gewebepanzer).



Closure-Prinzip

Bezeichnet den normalen Prozess, dass im Verlauf einer Stress- oder Notsituation die Darmperistaltik lahm gelegt wird (um maximale Energie für die Reaktion auf den Stressor freizusetzen). Dauert diese Situation lange an (etwa ein permanent ängstigendes Elternhaus oder eine Kriegssituation), dann kann dies zu einer chronischen Geschlossenheit führen, die verhindert, dass wohltuende Peristaltik stattfindet, auch wenn die äußeren Umstände (wie in der Therapiestunde) günstig sind.



Deep Draining

Eine klassische Form biodynamischer Massage, die auf ein tiefes Reinigen des Körpers von energetischer Flüssigkeit und Lösen von Muskelspannungen abzielt. Sie arbeitet unter anderem mit Schockimpulsen.



Eingeweidepanzer (auch: Viszeraler Panzer)

Ein Flüssigkeitsdruck im Inneren der Darmwände, der das Funktionieren der Psychoperistaltik verhindert bzw. erschwert.



Energetische Flüssigkeit

Die Vorstellung von Gerda Boyesen, dass der Fluss der Lebensenergie im Organismus an die Bewegung von Flüssigkeiten gebunden ist. Dies korrespondiert mit Reichs Beobachtung, dass Orgon Feuchtigkeit anzieht und insbesondere Wasser bindet. Energiebewegungen im Körper sind daher von Bewegungen von Körperflüssigkeit begleitet. Es ist ein Massageprinzip, genau an jenen Stellen zu arbeiten, an denen sich so genannte "Taschen" mit eingekapselter energetischer Flüssigkeit befinden und diese Taschen zu leeren. Für die Vegetotherapie gilt, dass es genau an jenen Stellen, die reif für die emotionale Entladung sind, zu einer Schwellung aufgrund einer Flüssigkeitsansammlung kommen wird; ist also beispielsweise orale Wut "reif" (d.h. kurz davor, sich auszudrücken), kommt es zu einer Schwellung des Kiefer- und/oder Wangenbereichs.



Energieverteilung

Eine klassische Form biodynamischer Massage, die auf einen bessere, harmonischere Verteilung der Energie im Körper abzielt. Dabei wird der Körper auf mehreren Ebenen (Muskeln, Haut, Aura) von oben nach unten systematisch durchgekämmt.



Erogenetik

Eine neue Sichtweise von M.L. und E. Boyesen, die sich mit dem Ursprung des Eros (= Lebensenergie), der Kanalisierung der befreiten Lebensenergie bzw. der "erotischen Dimension des Göttlichen in uns" beschäftigt. Der Schwerpunkt liegt weniger auf der Betrachtung der problematischen Aspekte eines Menschen und mehr auf der Förderung der Heilungskraft der Lididozirkulation und der Auflösung der ödipalen Bindungen hin zu einer erwachsenen Sinnlichkeit, Sexualität und Identität.



ES-Kanal

Als Träger und Leitmedium der emotionalen Instinktenergie (ES) werden in der Biodynamik die Wände und Membranen des Verdauungssystems betrachtet.



Gewebepanzer

Gesamtheit der Stoffwechselrückstände, die im Zusammenhang mit unabgeschlossenen vasomotorischen Zyklen im Gewebe verbleiben, es gleichsam verstopfen und so eine Barriere für das Fließen von Körperenergien und -flüssigkeiten darstellt. Der Gewebepanzer wird als die körperliche Ursache psychosomatischer Symptome und nervöser Schmerzen betrachtet.



ICH-Motor (auch: motorisches ICH)

Der Begriff entspricht in etwa dem willentlichen ICH, das die lebenswichtige Funktion habe, die Intensität der Gefühle zu regulieren, die über die Muskulatur ausgeübt wird. In biodynamischer Sicht sollte der ICH-Motor "vollständig aus der Libido gespeist werden." (Gerda Boyesen)



Impulse von innen

Bezeichnet die Tatsache, dass es spontan entstehende innere Energiebewegungen gibt, die nach Ausdruck drängen. Es ist therapeutisches Prinzip, diesen Impulsen zu folgen und sie in ihrem Ausdruck zu unterstützen, weil sie als Selbstheilungsversuche des jeweiligen Menschen betrachtet werden. Je einladender, nicht-wertender und liebevoll-gewährender die Haltung des Therapeuten, desto günstiger ist der Raum für die Selbstheilung.



Innerer organismischer Druck

Eine Wirkung der Lebensenergie, der "dynamischen Kraft aus den tiefen organischen Schichten", die, sobald sie auf gepanzerte Gewebeschichten trifft, als Druck erlebt wird und auch Druck auf diese Panzerschichten ausübt, was schmerzhafte psychosomatische und neurotische Symptome sowie Störungen des neurovegetativen Gleichgewichts bewirken kann.



Libidozirkulation

Der Kreislauf der kosmischen Energie in belebter Materie. Im menschlichen Organismus wird er als sehr angenehm und wohltuend erlebt. Der ungehinderte Libidofluss setzt voraus, dass die Person sich selbst lieben und eigene Liebesgefühle erlauben kann. Er ist charakterisiert durch simultane Strömungsempfindungen an der Körperperipherie (Haut, Oberfläche der Muskulatur) und den Körpertiefen (etwa Eingeweide).



Membranschwellung

Überschüssige energetisch geladene Flüssigkeiten, die zu einem Anschwellen von Körpergewebe führen, etwa Muskeln, die sich bei der Berührung angeschwollen anfühlen. Nervöse Symptome werden als Ergebnis der durch den Druck der Körperflüssigkeiten erzeugten Membranschwellungen gesehen.



Muskelpanzer

Ursprünglich von Reich eingeführter Begriff, der das System muskulärer Dystonien beschreibt, denen auf der psychologischen Ebene der Charakterpanzer entspricht. Während Reich den Begriff nur auf hypertonische Muskulatur anwandte, wird er hier auch für hypotonische Muskeln verwendet.



Parasymphatische Erscheinung

Der Begriff für Gerda Boyesens Beobachtung, dass sich die Energie in der depressiven Phase einer manisch-depressiven Episode wieder ins Körperinnere zurückzieht, was dazu führt, dass "das Gesicht wie ein alter Apfel...schrumpft" (Gerda Boyesen) und faltig wird.



Peristaltik

"Die " Peristaltik (peri = herum), stellein = sich zusammenziehen) ist das allgemeine Bewegungsprinzip im gesamten Magen-Darm-Trakt, das dazu dient, den Verdauungsinhalt vorwärts zu bewegen. Es handelt sich dabei um eine rhythmisch wiederkehrende Welle von Kontraktionen, die sich durch die Segmente und Windungen des Darms fortsetzen und als lokale ringförmige Spasmen erscheinen, gefolgt von Wellen der Entspannung. Die Peristaltik ist von keinerlei zentraler Kontrolle abhängig, und sie setzt sich auch in einer experimentell isolierten Darmwindung fort, denn sie wird durch die regulierende Aktivität eines Nervengeflechts verursacht, das zwischen den Muskelschichten der Darmwände selbst lieg; dieses Geflecht bildet ein zusammenhängendes Netz über die ganze Länge des Darms." [Dies Geflecht ist in jüngster Zeit als weitgehend autonomes "Enterales Gehirn" bekannt geworden.]"Die Peristaltik unterliegt jedoch beträchtlichen Veränderungen durch Einflüsse des zentralen Nervensystems, insbesondere durch solche emotionaler Natur. Diese beeinflussen sowohl die Anzahl der erfolgenden Welle wie auch deren Amplitude."(Das Zitat ist aus Nr. 67 dieser Bibliografie und findet sich dort auf Seite 60).



Plasmofaradisches Prinzip

Der Begriff bezeichnet die Tatsache, dass das Fließen der Lebensenergie im menschlichen Organismus zu einer Zerlegung und Auflösung von "Schlacken" und hormonellen Reststoffen (die aufgrund emotionaler Blockaden im Körpergewebe verblieben sind) führt, die anschließend durch den Blutkreislauf abtransportiert werden können. Das bedeutet, dass der Körper zur Selbstreinigung fähig ist; er besitzt eine sich selbst regenerierende und heilende Kraft.



Plasmogalvanisches Prinzip

Bezeichnet ursprünglich die Tatsache, dass Bioelektrizität (Lebensenergie) eine Kontraktion von Muskeln und Organmembranen bewirkt. Ist diese Energie statisch, so verursacht sie die verschiedenen Formen der Panzerung des Körpers (Muskel, Gewebe- und Eingeweidepanzer). Fließt sie jedoch, so kommt es zu einer eutonischen Bewegung der quer gestreiften Skelettmuskulatur sowie einer rhythmischen Pulsation der glatten Muskulatur sowie der Organmembranen. Das bedeutet, dass das Fließen der Lebensenergie wie eine innere Massage wirkt, zu einer gesunden Tonisierung von Muskel- und Membrangeweben führt und ihre Flexibilität erhöht.



Primärpersönlichkeit

Die Primärpersönlichkeit ist Gerda Boyesens Idee eines Menschen, der seine Lebensenergie frei fließen lässt. Der Begriff entspricht in etwa den Vorstellungen eines verkörperten wahren Selbst oder einer Persönlichkeit, die aus ihrem CORE (nach Reich: Center of Right Energy) heraus lebt. Sie ist in jedem Menschen bereits vorhanden und ihre volle Entfaltung wird als Therapie- und Lebensziel angesehen. Es handelt sich um einen Menschen, der auf der vollen Höhe seines Potentials lebt, es verwirklicht und zu unabhängigem Wohlbefinden fähig ist. Diese Persönlichkeit besitzt eine natürliche Freundlichkeit und Freude am Leben; sie akzeptiert das Auf und Ab des Lebens; sie ist geerdet und in sexueller und spiritueller Hinsicht offen, ihre "blauen" und "roten" Energie befinden sich in harmonischer Balance; sie kann lieben und ist ethisch, wobei diese Ethik durch "ewige Werte" bestimmt wird: Liebe, tiefes Verständnis, Schönheit, Mitgefühl, Würde, Anstand/Tugend und Leidenschaft, Humor und Verspieltheit aber auch gerechter Zorn. Sie ist charakterisiert durch eine natürliche und liebevolle Verbundenheit mit sich selbst, anderen Menschen und dem Universum.



Psychoorgastik

Die in der Biodynamik vor allem durch Ebba Boyesen aufgegriffene Vorstellung, dass durch entsprechende Körperübungen geerdete, ekstatische und höchst beglückende Erfahrungen möglich sind, die dem Fließen der Kundalini-Energie zu verdanken sind.



Psychoperistaltik

Der Begriff beschreibt eine zentrale und wesentliche Entdeckung von Gerda Boyesen. Er umschreibt die Tatsache, dass in den Eingeweiden ein interner Selbstregulations- und Reinigungsmechanismus wirksam ist, der zur vegetativen Entladung der körperlichen Äquivalente emotionaler Ereignisse dient. Die psychoperistaltische Funktion dient der endgültigen Verdauung dieser Abfallprodukte durch die visceralen Organe. Dieser Prozess ist von Geräuschen begleitet und kann mittels eines Stethoskops mitgehört werden. In psychischer Hinsicht ist es nötig, dass ein inneres Gefühl von emotionaler Geborgenheit und Sicherheit vorliegt; erst dann beginnt die Psychoperistaltik zu arbeiten. Ihr Funktionieren gilt als wesentlich für das endgültige Lösen neurotischer Probleme.



„Rote" oder aufsteigende Energie

Die erdhafte, animalische Energieform, die im Menschen fließen kann. Ihre Kanäle liegen etwas tiefer (zur Körpermitte hin) als die spirituellen Energiekanäle. Sie ist stark, wild, leidenschaftlich und drängt von unten nach oben. Sie zielt auf emotionale Entladung. Am Gipfelpunkt des emotionalen Ausdrucks kann es zur Harmonisierung kommen; die Energie kehrt um und verwandelt sich in blaue strömende Energie.



Schreckreflex

Eine momentane, reflexhafte Reaktion auf ein Angst oder Schrecken auslösendes Ereignis (Bsp. lauter Knall), gekennzeichnet durch eine Tendenz zu muskulärer Kontraktion (vor allem der Beugemuskeln) und einem Festhalten der Atmung in der Einatmungsstellung.



Schwellungsdruck

Der Gesamtbegriff für organische Schwellungsphänomene, die durch die Bewegung von Körperflüssigkeiten in den Körpergeweben entstehen. (Dazu gehören: Transsudationsdruck, Ausdehnungsdruck)



Sekundärpersönlichkeit

Der Begriff beschreibt die neurotischen Anteile eines Menschen. Ein Mensch, der von dieser Sekundärpersönlichkeit bestimmt wird, ist ohne Kontakt zu seinen Strömungsgefühlen, abgeschnitten von seinem Libidofluß und unfähig zu Gefühlen des unabhängigen Wohlbefindens.



Selbstregulation

Ein Reichianischer Grundbegriff, der behauptet, dass unter der Bedingung sexueller Freiheit eine emotionale Selbststeuerung der Menschen - ohne moralische Zwänge oder unterdrückerischen Über-Ich-Strukturen - möglich ist.



Selbstregulation, vegetative

Die Wiederherstellung einer gesunden, inneren Homöostase (Fließgleichgewicht) mit Hilfe der Psychoperistaltik.



Somatischer Kompromiss

Die Form, die der Körper eines Menschen findet, um mit den Restaffekten unabgeschlossener emotionaler Zyklen umzugehen. Der Kompromiss ist gekennzeichnet durch muskuläre Dystonie, eine Einschränkung der Atmung und eine Haltungsveränderung.



Spirituelle Depression

Eine Depression, die durch das Schließen des „Dritten Auges“ und den damit verbundenen Verlust des Kontakts mit der eigenen Spiritualität und den transzendentalen Seinsebenen ausgelöst wird. Diese Blockade des Kontakts mit dem Höheren Selbst führt nach Gerda Boyesen zu einem tiefen Gefühl der Sinnlosigkeit, Leere und Depression.



Spiritueller Magnet

Die Vorstellung, dass die Lebensenergie im Menschen immer nach einer spirituellen Entwicklung strebt. "Der Körper selbst ist spirituell und möchte unter allen Umständen zu seiner Spiritualität zurückgelangen." (Gerda Boyesen). Dieser Magnet äußert sich in einer Art Sog oder biodynamischem Auftrieb, der uns mit Macht in Richtung der eigenen Spiritualität zieht.



Spirituelle Übereinstimmung (Divine Congruence)

Bezeichnet nach Gerda Boyesen den Punkt in der spirituellen Entwicklung, an dem der eigene Wunsch des Menschen nach natürlicher Erfüllung und Selbstbestimmung mit dem Höheren Selbst oder dem, was das Höhere Selbst von einem wünscht, identisch werden.



Stasis (auch: Stauung bzw. Energiestau)

Eine Akkumulation oder Stauung emotionaler oder sexueller Energien; eine Blockierung des freien Energieflusses. Bei W. Reich bezeichnet der Begriff ein Missverhältnis zwischen Anhäufung und Entladung sexueller Energien. In der Biodynamik wird der Begriff häufig im Hinblick auf seine organische Erscheinungsform verwendet: er bezeichnet das Stagnieren von Energie, das sich in einer Ansammlung energetischer Flüssigkeit manifestiert.



Streamings

Lustvolle Wellen libidinösen Gefühls, die den ganzen Körper durchströmen können. Diese Strömungen wirken reinigend und heilend und werden als süß, beglückend und wohltuend erlebt.



Streckreflex

Die direkte Arbeit an der Streckermuskulatur kann so genannte Streckreflexe auslösen: die Person entwickelt die Tendenz, sich gleichsam aus den Kontraktionsmustern der Neurose herauszustrecken, ein Prozess, der häufig von Veränderungen der Nackenmuskulatur begleitet wird. In der Regel wird die betreffende Person aktiver, kreativer und kommunikationsfreudiger.



Tragische und Triviale Ebene

Therapeutische Arbeitsebenen, die vor allem über den stimmlichen Tonfall und die dahinter stehende Haltung des Therapeuten vermittelt werden. Trivial ist leichthin, humoristisch, wie mit einem Augenzwinkern gesprochen. Tragisch ist ernst, tief, bedeutungsschwanger und zielt auf existentiell bedeutsame Ebenen im Klienten.



Transsudationsdruck

Ein pathologischer Überdruck im Körpergewebe, der durch eine Überfüllung mit toxischen Abfallprodukten (von Stoffwechselprozessen) entsteht. Diese Tendenz zur Selbstvergiftung kann zur Gewebe-Desintegration führen d.h. tatsächlich die Struktur des Gewebes verändern. Deutlich sichtbares Zeichen für den Transsudationsdruck ist ein grau wirkendes, aufgeschwemmtes Gesicht. Der Transsudationsdruck korrespondiert mit emotionaler Frustration, Angstspannungen bzw. emotionalen Konflikten, die keine gute Lösung gefunden haben. Linderung geschieht durch Anregung des venösen Blutflusses und die Entladung durch psychoperistaltische Aktivität (zum Beispiel mit Hilfe von Massage bzw. Körperbehandlungen).



Unabhängiges Wohlbefinden

Die menschliche Fähigkeit, sich allein und unabhängig von der Anwesenheit anderer Personen wohl und in sich glücklich zu fühlen. In biodynamischer Sicht ist dies ein Grundvermögen, über das jeder Mensch verfügt; es stellt sich ein, wenn es gelingt, sich den Strömungen des eigenen Libidoflusses zu überlassen und ihn ungehindert fließen zu lassen.



Vasomotorischer Zyklus

Modellhafte Sicht der einzelnen Phasen eines emotionalen Ereignisses auf physiologischer und psychologischer Ebene. Das Modell baut auf der Reichschen "Lebensformel: Ladung - Spannung - Entladung - Entspannung" auf, wobei es vor allem die Entspannungsphase wesentlich erweitert und differenziert. Das biodynamische Modell enthält folgende Phasen: Vorphase/Alarmphase, Spannung/Aufladungsphase, Entladungsphase/Aktivität, Entspannung, Erholungsphase, Wiederherstellungsphase und Rückkehr zur organismischen Homöostase. Es wird angenommen, dass jeder vasomotorische Zyklus die natürliche Tendenz hat, sich zu vollenden. Unabgeschlossene Zyklen gelten als Baustoff der Neurose und äußern sich physiologisch als Gewebe-, Eingeweide- oder Muskelpanzer.



Vegetative Entladung

Das körperliche Äquivalent zur emotionalen Entladung. Es kann viele Formen annehmen: Schweißausbrüche, Zittern, Durchfall, Empfindungen von Kälte oder Hitze, Übelkeit, Magen- und Kopfschmerzen, Anfälle von Müdigkeit, Veränderung der Gesichtsfarbe, Harndrang etc. Gerda Boyesen bewertet die vegetative Entladung als wesentlich für den Therapieerfolg: "Man kann in der Therapie verdrängte Gefühle wieder hervorrufen; wenn jedoch der Konflikt auf der vegetativen Ebene nicht gelöst wird, bleibt die Neurose im Kern enthalten."



Vegetotherapie

Eine von Wilhelm Reich begründete Therapieform, die dem autonomen körperlichen Bewegungsausdruck besondere Bedeutung zumisst. Spontane körperliche Bewegungen und Ausdrucksformen werden eingeladen und zum Teil durch direkte Berührungen, zum Teil durch spezifische Körperübungen stimuliert oder auch harmonisiert. Das Ziel und die Kunst der Vegetotherapie besteht darin, den spontanen vegetativen Energiefluss im Körper des Klienten wieder einzuladen und zu stabilisieren. In der Biodynamik folgt die Vegetotherapie häufig dem sanften Prinzip des "lass es geschehen"; d.h. der Klient wird ermuntert, allen spontanen Regungen und Impulsen seines Körpers nachzuspüren und nachzugehen und ihnen Raum zu geben.



Venenpumpe

Der Begriff bezeichnet das neben dem Herzen zweite Pumpsystem, das das Blut durch den Körper bewegt. Es ist im ganzen Körper anzutreffen und besteht aus den Wänden der Blutkapillaren, den Venen und Venenklappen, die das Blut zum Herzen zurückbringen und dort zu den Reinigungsprozessen (in Lungen, Nieren etc.) weiterleiten. Eine günstige Veränderung des Muskeltonus im Organismus erleichtert die reinigende Arbeit der Venenpumpe.



Verkapselung

Das "Einsperren" von physiologischen Botenstoffen, so dass ihr Erinnerungsgehalt nicht mehr zugänglich und die zugehörige Emotion inaktiviert ist.